16
Jun
2017

Estland zum Sechsten

Nachdem ich in den letzten zwei Jahren bereits fünfmal nach Estland gereist bin, um zu trainieren oder um an Wettkämpfen teilzunehmen, reiste ich letzte Woche erstmals mit der Gewissheit an, dass ich tatsächlich an der WM starten werde.

Das Ziel des WM-Trainingslagers war, mich im estnischen Gelände spezifisch auf die WM-Mitteldistanz vorzubereiten. Obwohl ich schon unzählige Trainings in der Gegend rund um Otepää gemacht habe, war diese Woche für mich sehr lehrreich, denn seit anfangs Mai hat sich die Vegetation stark verändert. Wo damals die Sicht gut war, stand ich diese Woche oft vor einer grüneren Wand, was das Orientieren deutlich erschwerte. Zudem konnte ich viel von den erfahrenen WM-Läufern und Trainern profitieren.

Insgesamt habe ich gut trainiert und weiss nun, woran ich in den letzten drei Wochen noch arbeiten muss. Doch bevor ich für die letzten Vorbereitungen in die Schweiz zurückkehre, werde ich noch an der Venla-Staffel in Joensuu teilnehmen. Dieses Jahr haben wir (Eksjö SOK) ein sehr starkes Frauenteam und wir hoffen, dass wir den Klubrekord angreifen können.

01
Jun
2017

Die Rechnung ist (fast) aufgegangen

Um Spitzensport und Studium vereinbaren zu können, braucht es eine gute Planung. So überlege ich mir anfangs Semester immer genau, welche Vorlesungen ich belegen möchte. Diesen Frühling habe ich mich dafür entschieden, nur wenige Vorlesungen zu nehmen, dafür noch meine Bachelorarbeit zu schreiben. Ich war dieses Semester also flexibler und selbstständiger, was für mich bei meinen vielen Abwesenheiten im Frühling ein grosser Vorteil war. Die Rechnung ist zurückblickend gut aufgegangen: Ich konnte gut trainieren und mir einen Startplatz an der WM sichern und ich habe diese Woche meine Bachelorarbeit abgegeben und erfolgreich präsentiert. Was für ein Frühling! Doch da ist noch dieser Weltcup von letzter Woche, an dem ich alles andere als brilliert habe…

Am Weltcup in Finnland stand eine Mini-Tour an: Die Zeiten von der Sprint-Qualifikation und der Mitteldistanz wurden zusammengezählt und bildeten die Grundlage für die Startliste für den abschliessenden Jagdstart. Im Sprint Final konnte zusätzlich noch um Bonussekunden gekämpft werden.

In der Sprint Qualifikation lief ich zwar nicht schlecht, es kamen jedoch nur 40 von 110 Läuferinnen in den Final und für das reichte meine Leistung nicht. Schade, aber für die Mini-Tour war noch nichts verloren. (Rangliste)

Zwei Tage später stand ich motiviert und konzentriert am Start über die Mitteldistanz. Meinte ich auf jeden Fall. Konzentriert kann ich nicht gewesen sein, denn sonst wäre ich nicht so katastrophal schlecht gelaufen. Am besten schaut man sich mein GPS an und fragt sich, wie eine solche Läuferin im Schweizer Nationalkader sein kann. Als ich zum 9. Posten plötzlich auf einem Weg stand und merkte, dass ich die Karte 180 falsch in der Hand hielt, habe ich mich das auf jeden Fall auch gefragt. Ich fühlte mich so, als hätte ich in einer Mathematikprüfung eine ganze Aufgabe Minus statt Plus gerechnet und es erst bei der Abgabe gemerkt. Ein blödes Gefühl. Ich brauchte einen Moment, um mich wieder zu sammeln und dann ging’s vollgas weiter. (Rangliste)

Meine Ausgangslage für den abschliessenden Jagdstart war alles andere als gut. Ich startete als 73. und hatte dementsprechend die Startnummer 73. Das war ja peinlich, als WM-Läuferin im Schweizer Dress mit einer so hohen Startnummer zu starten! Ich hatte mich aber selber in diese Lage gebracht und hatte es auch selber in der Hand, das wieder gut zu machen. Ich lief dann wirklich gut, überholte fast 40 Läuferinnen und kam als 44. ins Ziel. Positiv stimmt mich vor allem die Tatsache, dass ich alleine gleich schnell lief, wie die Läuferinnen, bei denen ich hätte starten sollen und die voneinander profitieren konnten. (GPS, Rangliste)

Warum ich nicht an die guten Leistungen der WM-Selektionsläufe anknüpfen konnte, ist schwierig zu erklären. Ich hatte in der Woche zwischen den Selektionsläufen und dem Weltcup mit meiner Arbeit viel zu tun. Physisch konnte ich mich in dieser Woche erholen, mental wohl nicht ganz. Ich wollte viel, denn ich wusste, dass ich in Form war. Der Kopf war aber müde und kürzte «technisch» ab, was mit Fehlern betraft wurde. Aber wenigstens konnte ich über die Langdistanz reagieren und lief da gut.

Heute habe ich mit einem harten Intervalltraining die fünfwöchige Vorbereitung für die WM lanciert. Da ich meine Arbeit abgegeben habe und meine Prüfungen erst im September habe, werde ich in den nächsten fünf Woche «OL-Profi» sein. So cool! Ich freue mich auf jedes einzelne Training und werde alles daran setzten, in Estland mental und physisch «voll parat» zu sein!

Foto: Beat Meier

16
May
2017

WM!!!

Als ich letzten Montag für die WM-Selektionsläufe nach Estland reiste, wusste ich, dass wirklich alles zusammenstimmen muss, um einen Startplatz an der WM zu erhalten.

Die Selektionslaufsserie startete mit zwei Sprints. Obwohl ich über die Sprintdistanz in den letzten Jahren oft Mühe bekundete, konnte ich mit den Rängen 4 und 7 ein erstes Ausrufezeichen setzten. Fast noch wichtiger als die guten Resultate war für mich die Erkenntnis, dass ich physisch «parat» war. Das gab mir für die bevorstehenden Walddisziplinen Sicherheit. Vor der Mitteldistanz war ich trotzdem sehr nervös. Ich hatte mir über diese Distanz die grösste Chance auf ein WM-Ticket ausgerechnet und die Ansprüche an mich waren dementsprechend hoch. Ich fand dann aber gut ins Rennen und lief Posten für Posten sauber an. Yes, dachte ich im Ziel, das war gut! Diese Leistung wurde mit dem 3. Rang belohnt und somit hatte ich mich endgültig für einen WM-Startplatz ins Gespräch gebracht. Die abschliessende Langdistanz war wohl die härteste, die ich in meiner dreijährigen Elitekarriere gelaufen bin. Im letzten Drittel wusste ich teilweise nicht, wie ich es bis ins Ziel schaffen sollte, so erschöpft war ich. Irgendwie ging’s dann aber doch; nach 104 Minuten stempelte ich den Zielposten. Geschafft! Der Zeitverlust war zum Glück nicht ganz so gross, wie ich es unterwegs befürchtet hatte und so klassierte ich mich auf dem guten 6. Rang.

Dann fing das lange Warten an. Heute Morgen erfuhr ich dann (endlich), dass ich eine der sechs Schweizerinnen bin, die anfangs Juli in Estland an der WM teilnehmen darf. So cool! Ein Traum, der in Erfüllung geht… (Selektionen WM)

01
May
2017

10-Mila

Für die diesjährige 10-Mila reiste ich bereits am Mittwoch nach Schweden. So konnte ich vor dem wichtigen Staffel-Wettkampf vier Trainings in den wunderschönen Wäldern rund um Götenburg absolvieren.

Obwohl das Wetter gut war, war der Boden in der Arena sehr matschig...

Für meinen schwedischen Klub Eksjö SOK rannte ich die dritte der insgesamt fünf Strecken. Leider liefen die ersten beiden Läuferinnen nicht optimal und so durfte ich erst als 84. Läuferin in den Wald. Dank einer guten technischen Leistung und schnellen Beinen konnte ich Läuferin um Läuferin überholen und übergab als 44. an meine Klubkollegin. Auf den letzten beiden Strecken liefen wir dann noch auf den 36. Rang vor. Mit diesem Resultat sind wir zwar nur bedingt zufrieden, die Reise nach Schweden hat sich aber trotzdem gelohnt! (Resultate, Karte)

EKSJÖ SOK Team

23
Apr
2017

Zurück im Winter

Die letzte Woche verbrachte ich zusammen mit dem Nationalkader im Trainingslager in Lettland/Estland. Bei Temperaturen rund um die Nullgradgrenze standen zwölf OL-Trainings in sechs Tagen auf dem Programm. Insgesamt kann ich auf eine sehr abwechslungsreiche und gute Trainingswoche zurückblicken.

Hier ein paar Worte zu einzelnen Trainings.

Training #1: Normaler OL, 4.7km/12 Posten/extensiv. Obwohl die Karte, die ich am Start bekam, durch die Farben Grün (Dickicht) und Gelb (Kahlschlag) geprägt war und es winterlich kalt war, hat es Spass gemacht, durch den Wald zu rennen. Die Vegetation war in den baltischen Staaten noch nicht weit fortgeschritten und so war die Sicht (noch) nicht eingeschränkt. Die Sümpfe waren mit eisigem Schmelzwasser gefüllt und ich bekam während dem Training kalte Füsse, doch es war nicht ganz so kalt wie befürchtet.

Training #8: Langdistanz-Training, 7km/10 Posten/extensiv. Bei schneesturmähnlichen Bedingungen lief ich 1.5km an den Start. Brrrrr. Im Wald hatte es dann 5-10cm Schnee, was das Rennen im Wald noch anstrengender machte. Der Schneefall hörte im Verlauf des Trainings dann aber auf und die Tatsache, dass die Sümpfe gefroren waren, führte dazu, dass ich während dem Training wieder warm bekam. Trotzdem war ich an diesem Tag froh, dass wir in der Unterkunft eine Sauna hatten...

Training #9: Staffelstarts, 4.8km/17 Posten/intensiv. "Staffelstarts" ist eines meiner Lieblingstrainings. Wir starteten zuerst alle zusammen auf eine zehnminütige Bahn, wobei jede Läuferin eine andere Gabelungsvariante hatte. Nach einer kurzen Pause erfolgte ein neuer Massenstart auf eine zwanzigminütige Bahn. Das Tempo war hoch, ich sah viele andere Läuferinnen rund um mich herum, die teilweise die gleichen Posten, teilweise andere Posten anpeilten wie ich. Für Aktion im Wald war also gesorgt und da alle innerhalb von wenigen Minuten ins Ziel kamen, konnten Routen und Fehler unmittelbar nach der Ziellinie diskutiert werden.

Training #10: Höhenkurven-OL, 5.0km/16 Posten/extensiv. Das war ein nahezu perfektes Training. Das Gelände war superschön und ich fand jeden Posten auf Anhieb!

Training #12: Sprint-Staffel, 3.6km/19 Posten/intensiv. Das letzte Training dieses Trainingslagers war eine 2er-Sprintstaffel. Die Frauen liefen die erste Strecke, die Männer die zweite. Die Beine waren nach elf Trainings müde, wir pushten uns jedoch gegenseitig nochmals zu Bestleistungen.

(Fotos: Sven Rüegg, Kerstin Ullmann, Lisa Schubnell)

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